Hauptexkursion 2017: Mexiko und der Süden der USA

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Im September 2017 begab sich der Lehrstuhl für Eisen- und Stahlmetallurgie der Montanuniversität Leoben mit zwei Professoren, vier wissenschaftliche Mitarbeiter und 12 Studenten im Rahmen der Lehrveranstaltung „Exkursion zur Stahltechnologie“ zu Betrieben in Mexiko (Bundestaaten Nuovo Leon und Coahuila) sowie den USA (Texas).

Mexiko mauserte sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten transatlantischen Industriestandorte in der neuen Welt. Wie jedes Jahr war es den Lehrverantwortlichen des Lehrstuhls sowie dem Organisator ein Anliegen zukunftsorientierte Anlagen der Stahlindustrie zu besuchen, weshalb eines der Highlights der Exkursion sicherlich der Besuch der Direktreduktionsanlage der voestalpine Stahl AG im zu Mexiko benachbarten Texas war.

Das im Nordosten Mexikos liegende Monterrey zählt mit 1,13 Mio. Einwohnern zu den bedeutendsten Industriestandorten Lateinamerikas und wurde nach einer 28 stündigen Anreise wohlbehalten erreicht. Nach wenigen Stunden Schlaf wurde die Gruppe beim österreichischen Honorarkonsulat sowie im Familienunternehmen Villacero, welchem der österreichische Honorarkonsul vorsteht, empfangen. Mit Vertrieben in 34 Ländern weltweit ist Villacero ist das größte Stahlhandelsunternehmen Mexikos. Nach einem Crashkurs über die Wirtschaft Mexikos folgte die Weiterfahrt zur Universität Tec de Monterrey. Dort präsentierte uns der österreichische Professor Dr. Gerhard Niedrist die Kultur sowie Geschichte Mexikos und führte uns im Anschluss in das innerstädtische Naherholungsgebiet mit metallurgischen Artefakten, dem so genannten Parque Fundidora. Dieser anmutende Park wurde auf Fläche des ersten integrierten Hüttenwerkes in Zentralamerika, der Compañía Fundidora de Fierro y Acero de Monterrey angelegt, nachdem dieses in den 80er Jahren seine Tore für immer schloss. Besonders der begehbare alte Hochofen mit einem integrierten Metallurgie Museum für Jung und Alt hat es allen Teilnehmern angetan.

Im Zeichen des größten mexikanischen Stahlerzeugers für Flachprodukte, der Firma AHMSA (Alto Hornos de Mexico) in der Kleinstadt Monclova in der Sierra Madre stand der zweite Exkursionstag. Mit einer Jahreskapazität von 5 Millionen metrischen Tonnen sind die beiden integrierten Hüttenwerke die größten Mexikos.

Am Mittwoch folgte ein Besuch bei einem Produktionsstandort für Magnesiasteinen von Österreichs Feuerfestgiganten RHI. Die in Ramos Arizpe produzierten Feuerfestprodukte werden fast ausschließlich in Mexiko verwendet. Nach einem typisch mexikanischen Mittagessen bei RHI folgte am Nachmittag ein kurzer Besuch bei der autonomen Universität Nuevo Leon im Herzen Monterreys. Aktuell studieren rund 190.000 Studenten an der Universität wobei ein Zehntel davon im technischen Bereich, darunter auch Metallurgie, angesiedelt sind.

Rund 3 % des BIP Mexikos trägt die Automobilindustrie bei und beschäftigt rund 13 % der arbeitenden Bevölkerung. Dies bewegte uns dazu einen Blick über den Tellerrand der Eisen und Stahlmetallurgie zu werfen und einen der weltgrößten Automotive-Zulieferbetriebe für Motorblöcke, Zylinderköpfe und Getriebeteile zu besuchen. In unserem Fall war dies die Firma Nemak in Garcia, wo wir die futuristischen Hallen der Aluminiumgießereien am Donnerstagvormittag besichtigen durften. Das von unserem Industriepartner Inteco melting and casting technologies GmbH errichtete Elektrostahlwerk von Frisa Forjados in Santa Catarina war unser Ziel am Nachmittag desselben Tages. Das Stahlwerk wurde erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommen und ist ebenfalls ein Indiz für die wachsende Wirtschaftskraft dieses Landes.

Ursprünglich wäre am Freitag ein Besuch bei Ternium Planta Guerrero im Stadtzentrum geplant gewesen, um den Geburtsort des HYL-III-Verfahren, dem ersten Direktreduktionsprozess zu besuchen. Aufgrund von großen Umbauarbeiten musste auf die Ternium Planta Largos Norte Mini Mill ausgewichen werden. Am Nachmittag finalisierte ein Besuch bei der größten Feuerverzinkerei Zentralamerikas von Zinkpower und dem benachbarten Powercast wo Kleinteile für die Automotive Industrie unseren nachhaltig beeindruckten Aufenthalt in Mexiko.

Das Wochenende verbrachte die Exkursionsgruppe in San Antonio, Texas. In einer Stadtrundfahrt konnten historische Details über die Missionierung der indigenen Bevölkerung durch die Spanier Mitte des 18. Jahrhunderts erforscht und kennengelernt werden. Speziell die alte Mission San Jose sowie das berühmte Alamo im Herzen San Antonios, wo in der Schlacht von Alamo die Unabhängigkeit Texas von Mexiko 1835/36 seinen Ausgang nahm zeigten Details der kurzen texanischen Geschichte.

Die zweite Woche begann mit einem Besuch bei CMC Steel in Seguin wo rund 800.000 Tonnen Bewehrungsstahl pro Jahr erzeigt werden. Im Anschluss erfolgte eine etwas längere Busfahrt in die Hafenstadt Corpus Christi wo einige Teilnehmer die Zeit nutzten, um unter anderen den ausgedienten Flugzeugträger USS Lexington zu besuchen und das eine oder andere Steak zu verzehren.

Zwei Highlights dieser Exkursion folgten am Dienstag. Am Vormittag bekamen wir bei Kiewit Offshore Services Ltd. die Möglichkeit die Errichtung von Erdölplattformen, sogenannten tension leg platforms (TLP) hautnah mitzuerleben. Unteranderem befand sich die neue TLP „Appomattox“ von Shell im Bau und Chevrons „Big foot“ lag im Hafen zu Wartungsarbeiten. Am Nachmittag führte uns unser Weg schließlich zum neuen Prestigeobjekt unseres langjährigen Industriepartners voestalpine mit der neuen Direktreduktionanlag. Die Anlage selbst wurde von unserm Industriepartner Primetals Technologies in Kooperation mit Midrex® errichtet wurde. Dort bekamen wir interessante Einblicke in Herstellung von HBI welches sowohl für den Eigenbedarf in Österreich als auch für Kunden in Mexiko und den USA produziert wird.

Bei der Busfahrt am Mittwoch folgte ein Stopp beim neuen Nahtlosrohrwalzwerk von Tenaris in Bay City. Während unseres Aufenthaltes fand die Kommissionierung des Walzwerkes statt. Diese einmalige Gelegenheit bat den Studenten die Möglichkeit gab auch ein Werk in den Kindesschuhen zu besichtigen.

An den letzten beiden Exkursionstagen folgten mit Gerdau Ameristeel in Vidor/Beaumont und Nucor Steel in Jewett zwei weitere Elektrostahlwerk, die wir näher inspizieren konnten. Beide produzieren aufbauend auf ihren betrieblichen Eigenheiten Konstruktionsstähle für die texanische Bauindustrie.

Einen informativen und gemütlichen Ausklang fand der letzte Tag bei einem gemeinsamen Abendessen mit allen Teilnehmern in einem echten texanischen Steakhouse. So bleibt zu hoffen, dass die jungen Metallurgen, bereichert durch den Einblick in die, bei uns relativ unbekannte, aber dennoch innovative Stahlindustrie in Mexiko und Texas, ihre Zukunft meistern. Großer Dank gilt den Sponsoren dieser Hauptexkursion – namentlich: ASMET, Breitenfeld Edelstahl, Ebner Industrieofenbau, ESW Eisenwerke Sulzau-Werfen, INTECO Technologies, K1‑MET GmbH, Stadt Leoben, Primetals Technologies, RHI AG, thyssenkrupp, Treibacher Industrie AG und voestalpine AG – und allen Mitarbeitern in den besuchten Werken für die freundliche Aufnahme, die interessanten Führungen und die exzellente Gastfreundschaft. Ohne die tolle finanzielle Unterstützung unserer Sponsoren und Industriepartner wäre die Durchführung einer solchen Exkursion nicht möglich. Ein spezieller Dank gilt vor allem auch den Ansprechpartnern bei RHI Mexiko/Amerika und der voestalpine Texas LLC für Ihre tatkräftige Unterstützung des Exkursionsleiters bei der Planung und Durchführung dieser Exkursion.

 

hex2017
Die Teilnehmer an der Hauptexkursion 2017 vor der Direktreduktionsanlage in Corpus Christi

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